10 Jahre Jupp-Foto-Club

„Schicht im Schacht“ hieß es, als die Zeche Westfalen ihre letzte Steinkohle Mitte 2000 förderte. An diesem Zeitpunkt ahnte wohl kaum jemand, wie es mit der Geschichte der Ahlener Kohlenindustrie weitergehen würde. Denn das Bergwerk war nicht nur Arbeitsort, sondern auch ein Ort der Gemeinschaft und der kulturellen Vielfalt, welches unsere Stadt Ahlen bis heute prägt. Und diese Gemeinschaft schien im Jahre 2000 durch die Schließung beendet worden zu sein, gäbe es nicht Initiativen, die dafür sorgten, dass diese prägende Ahlener Geschichte weitergeführt werden würde. Einer dieser Initiativen ist der Ahlen weit bekannte Heimatverein „Jupp-Foto-Club“. Doch vor dem „Foto-Club“, war vorerst nur „Jupp“ vorhanden.

Josef „Jupp“ Hesse, geboren am 14. September 1929, war als Magazinleiter der Zeche Westfalen beschäftigt. Er selbst war zudem ein Privatsammler. In seiner Zeit konnte er, auch durch die engen Kontakte in Ahlen und auf dem „Pütt“, eine Sammlung von über 400 Alben zusammenstellen. Diese umfasste eine Vielzahl von Originaldokumenten der Zeche und darüber hinaus ein Fundus von über 10.000 Bilddokumenten der Zeche Westfalen, der Kokerei Westfalen und der Stadt Ahlen. Summa summarum also eine Sammlung, die die Anfänge der Zeche um 1900, über den Bau der Zechensiedlung, die Kokerei Westfalen, ja sogar die Neuere Geschichte der gesamten Stadt Ahlen dokumentiert. Das Hobby des Privatsammlers, welcher Hesse über Jahrzehnte betrieb, ist, wie es der Name schon benennt, privat, einer breiten Öffentlichkeit ausgeschlossen. Damit sein Vermächtnis nicht in Vergessenheit geraten sollte, erinnerte er sich an zwei Kumpel, aus seiner Zeit als Arbeiter auf dem Bergwerk.

An diesem Punkt entstanden die ersten Ideen zur Gründung eines Vereins. Werner Danzer und Marc Senne wurden von Josef Hesse angesprochen, ob es nicht möglich sei, diese Sammlung öffentlich auszustellen und somit auch den Generationen, die die aktive Zeit des Bergwerks nicht erlebt haben, eine Chance zu geben, in die Ahlener Geschichte eintauchen. „Jupp“ hatte jedoch nur eine Voraussetzung: „Die Sammlung muss in Gänze zusammenbleiben“, fügte Hesse (sinngemäß) hinzu. 

Es konnte sich somit eine Gruppe zusammenfinden, die die „juppsche“ Initiative umsetzen wollte. Am 9. September 2015 wurde der Verein unter dem Namen „Verein zur Bewahrung der Bilddokumentation Zeche Westfalen e. V“ am symbolischen Ort des Brieftaubenzentrums an der Sachsenstraße gegründet. Das der Verein auch „Jupp-Foto-Club“ genannt wird, entstand dadurch, dass ein Artikel zur Gründung veröffentlich werden sollte, dabei jedoch die Journalistin den Vereinsnamen als zu lang empfand. Dieses Gespräch fand in der Küche von Jupp Hesses Wohnung in der Bergamtstraße statt. Werner Danzer reagiert schnell auf die Irritation der Journalistin und sagte: „Nennen wir es doch einfach Jupp-Foto-Club!“ 

Der erste Vorstand bestand aus dem 1. Vorsitzenden Marc Senne, dem stellvertretenden Vorsitzenden Werner Danzer, dem Schriftführer Bernd Tümmler, Manfred Gola als Kassierer, René Aupers als Beisitzer und schließlich dem Ehrenvorsitzenden Josef Hesse, welchen er bis zu seinem Tode am 02. Februar 2022 innehielt – der Vorsitz ist bis auf die Änderung, dass Walter König stellvertretender Vorsitzender und Ulrike Weiner Kassiererin wurde, gleichgeblieben. Der Verein war nun gegründet und musste seitens des Finanzamts „abgesegnet“ werden. Erst im Januar/Februar 2016 konnte sich der Verein im Vereinsregister registrieren lassen. Darauffolgend wurde die Gemeinnützigkeit des Vereins auch rückwirkend für die erste Zeit anerkannt.

Im selben Jahr verließ die Knappschaft am Glückaufplatz 11 ihre Räume im ersten und zweiten Obergeschoss. Dadurch konnte sich der Verein nun in diesen Räumen niederlassen und auch den Mietvertrag unterschreiben. Es gab nun Raum für Ausstellungen, welche für die Öffentlichkeit zugänglich waren. Jeden Dienstag ist der Verein zwischen 16 und 18 Uhr geöffnet und außerdem auch jeden zweiten Sonntag im Monat. 

„Jupps“ Alben wurden durchgeschaut, Bilder wurden ausgewählt und passende Informationen erarbeitet, sodass seit 2017 fünf große Ausstellungen der Ahlener Gemeinschaft präsentiert worden sind. Zu diesen gehören:

 

1. Die Entstehung der Kohle (2017)

2. Leben auf der Seilscheibe (2018)

3. 30 Jahre Stilllegung Kokerei Westfalen - der Ofen ist aus (2019)

4. 120 Jahre schwarzes Gold aus Ahlen (2023)

5. 800 Jahre Stadt Ahlen - Ansichten Industrie. Menschen. Kultur (2024)

 

Um qualitative Ausstellungen zu ermöglichen, muss auch an die Finanzierung gedacht werden. Neben dem Hauptsponsor „Vivawest“, welcher die Miete übernimmt, entwickelt der Verein eigene Idee zur Finanzierung. So entstanden ab dem Jahre 2019 die jährlich erscheinenden Kalender mit verschiedensten Ansichten der Zeche Westfalen und Umgebung. Sowohl im Vereinsbüro als auch bei bestimmten Ahlener Geschäften sind diese in den Größen von DIN A4 bis A2 erhältlich.  

Hinzukommt das der Jupp-Foto-Club ein „Lehrrevier“ gründete. Dies richtet sich an Kinder und Jugendliche bis zur Beendigung der Ausbildung bzw. des Studiums. Es dient dazu, die Ahlener Geschichte auch jungen Menschen zu vermitteln und sie zum aktiven Vereinsleben zu gewinnen. Im Gegenzug dazu bietet der Verein beispielsweise Fahrten zum Besucherbergwerk „Graf Wittekind“ an oder lässt an der Planung und Bearbeitung neuer Ausstellungen mitwirken. Das Lehrrevier ermöglicht zudem auch die digitale Präsenz des Vereins anhand der Homepage www.jupp-foto-club.de oder auch mit der Instagram-Seite unter jupp_foto_club.

In den Jahren des Vereins gab es auch einige Besuche, die bis heute in Erinnerung geblieben sind. Dazu gehört beispielsweise der Besuch des damaligen SPD-Vorsitzenden Martin Schulz am 14. April 2019 im Zuge des Europa-Wahlkampfs. Schulz nahm sich Zeit für die Besichtigung der Ausstellung und war (wie es nicht untypisch für hochrangige Politiker ist) umzingelt von der Presse. Auch der Kooperationsvertrag zwischen der Fritz-Winter-Gesamtschule und dem Jupp-Foto-Club am 04. Dezember 2023 – wie bekannt der Barbaratag – führte zu einem weiteren Schritt zur Stärkung der Inner-Ahlener Gemeinschaft. Einerseits öffnet diese Kooperation der Schule ein großes Archiv an der Ahlener Geschichte. Andererseits zeigt der Verein, wie wichtig es ist mit Jugendlichen zu arbeiten und Lösungen für Probleme kooperativ zu entdecken. Eine weitere Sternstunde ist die offizielle Eröffnung des „Internationalen Museumstag“ in Ahlen am 19. Mai 2024 durch den Verein, welches mit der Eröffnung der neuen Ausstellung verbunden war. Viele Feste und weitere Besuche wie von dem türkischen Generalkonsul aus Münster am 14. Dezember 2024 hat der Verein erlebt, welches hier natürlich nicht in Gänze aufgelistet werden kann. 

Eine gewisse Zäsur im Vereinsleben galt während der Corona-Pandemie. Wie alle Kultureinrichtungen musste auch dieser Verein schließen. Es schränkte das Vereinsleben drastisch ein und ermöglichte damit auch keine besuche von Besuchergruppen. Erst mit den Lockerungen – Maske, „Luca“, etc. - konnte das Vereinsleben wieder belebt werden, sodass man heute sagen kann, dass der Verein wieder voll dabei ist und auch diejenigen, die lange Zeit auf kulturelle Aktivitäten verzichten mussten, nun die Ausstellungen mit Begeisterung besuchen können.

Der Jupp-Foto-Club ist 10 Jahre alt und hat so einiges erlebt. In diesem Jahr (2025) stellt sich der Verein mit einem neuen Logo mit den Ergänzungen „Museum. Archiv. Lernort.“ vor und präsentiert sich mit einer neuen Ausstellungsmethodik – die dem musealen Charakter nachempfunden ist – von seiner besten Seite. Für die nächsten weiteren 10 Jahre wünscht sich der Verein, dass sie sein Angebot beibehalten und weiterhin attraktiv bleiben kann. Zudem wollen sie neue und moderne Ideen vorbringen und dabei immer den Weg zur Jugend finden. Am Konzept des „Offen für Alle“ halten sie fest und erhoffen sich, dass die vielen Förderer und Unterstützer weiter an der Idee des Jupp-Foto-Clubs festhalten. Dem Heimatverein „Jupp-Foto-Club“ gratulieren wir zum 10-jährigen Bestehen und wünschen weiterhin viele erfolgreiche Jahre. In dem Sinne: „Glück Auf!“

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Veröffentlichung

Di, 21. Oktober 2025

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